Wie gut brennt Grün?

Erstellt von TÜV AUSTRIA Akademie |

Gebäudefassaden zu begrünen, das hat viele Vorteile. Unsicher war man aber immer bezüglich der Brandweiterleitung – springt der Funke von Ast zu Ast? Brandversuche haben neue Erkenntnisse gebracht.

In der ÖNORM B 3800-5 sind die folgenden Schutzziele verankert, und zwar bezogen auf das zweite über dem Brandherd liegende Geschoß: Eine Brandweiterleitung über die Fassade soll wirksam eingeschränkt werden. Plus: Es sollen keine großen Fassadenteile herabfallen. Hinterlüftete Fassadensysteme und Wärmedämmverbundsysteme wurden bereits auf diese Schutzziele geprüft, aber Fassadenbegrünungen lange Zeit nicht. Und das, obwohl die vertikalen Gärten ebenfalls Rankhilfen aufweisen, die brennen könnten. Oder verholzte Triebe. Wie verhält sich also eine Fassadenbegrünung im Brandfall? Die MA 39 hat dazu Brandtests durchgeführt, deren Ergebnisse sich auch in die OIB-Richtlinie 2, Ausgabe 2023, einbrennen werden.

Zündende Erkenntnisse
In den Versuchen wurden unterschiedliche Kletterpflanzen im worst case Szenario getestet, also mit viel Blattmasse, Holzanteil und ätherischen Ölen. Außerdem wurden verschiedene Rankhilfen getestet, Aluminiumtrogkonstruktionen genauso wie wandnah befestigter Efeu. Fazit: Es kommt zu praktisch keiner horizontalen Branderweiterung. Eine vertikale Weiterleitung ist durch kurzzeitige Durchzündung jedoch möglich. Aber gerade die hölzernen Wurzeln scheinen bei dieser Brandweiterleitung kaum eine Rolle zu spielen: eine vertikale Brandausbreitung war nicht beobachtbar. Und auch die sekundäre Brandgefahr der herabfallenden Teile ist nicht gegeben.

Klimaschutz meets Brandschutz
„Fassadenbegrünungen tragen zum Klimaschutz bei.“, sagte die Referentin SRin DIin Irmgard Eder von der Stadt Wien am TÜV AUSTRIA Brandschutztag, der im März im Eventhotel Pyramide in Vösendorf stattfand. Dennoch führte sie weiter aus: „Da sie jedoch Bekleidungen an einer Fassade darstellen, ist deren brandschutztechnisches Verhalten im Hinblick auf die Brennbarkeit sowie die Brandweiterleitung über die Fassade wie für alle anderen Fassadenbekleidungen zu betrachten.“ 
SRin DIin Eder, unter anderem Leiterin der Kompetenzstelle Brandschutz in der MA 37, wies in ihrem Vortrag auf die vielen nachweisfreien Ausführungen von Begrünungen hin – auf eine Einzelprüfung gemäß ÖNORM B 3800-5 kann in der Regel verzichtet werden. 

Außerdem im Programm
Der TÜV AUSTRIA Brandschutztag lieferte einmal mehr allen Schlüsselkräften des Vorbeugenden Brandschutzes maximales Expertenwissen rund um den betrieblichen Brandschutz aus baulicher, organisatorischer und rechtlicher Sicht. Wie schon im letzten Jahr konnten sich die Teilnehmer aussuchen, ob sie vor Ort oder online dabei sein wollen, aber egal, ob vor den Bildschirmen oder in Vösendorf: Die zwei Jahrzehnte TÜV AUSTRIA Brandschutz-Ausbildung wurden mit besonderen Highlights und einer kleinen Messe gefeiert. Unter anderem im Programm: Vorträge rund um die TRVB 119 O 21, zu OIB-Richtlinien, Heißarbeiten und Löschwasseranlagen. Und in der Keynote von Ex-Chefskiadler Alexander Pointner drehte sich alles um die Führungsverantwortung im Spitzensport und die Parallelen zur Verantwortung von Brandschutzbeauftragten.

Kontakt

T: +43 (0)5 0454-8000
E: akademie@tuv.at

TÜV AUSTRIA-Platz 1
2345 Brunn am Gebirge

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