Interview zur Kreislaufwirtschaft

„Man muss nicht sofort das gesamte Geschäftsmodell verändern“

Bild: © Erwin Vejpustek

Mag. Erwin Vejpustek ist Inhaber der Beratungsfirma EHS-Consult und verfügt über 20 Jahre internationale Beratungserfahrung im DACH-Raum. Er betreut erfolgreich zahlreiche Projekte in den Bereichen Environment, Health & Safety – von Kleinbetrieben bis hin zu multinationalen Konzernen.

Der gelernte Jurist verbindet rechtliche Expertise mit technischem Verständnis und steht für pragmatische Compliance-Lösungen, nachhaltige Projektumsetzung sowie praxisorientierte Beratung auf allen Unternehmensebenen. Für Ihn und sein Unternehmen gilt der Grundsatz "Wir machen Recht verständlich!" 
Im Interview macht er uns verständlich, wie Unternehmen moderne Kreislaufwirtschaft im Unternehmen verankern können.

Wo ist die Grenze oder Verbindung zwischen Kreislaufwirtschaft, Umweltmanagement, Energiemanagement, Abfallwirtschaft?

Die Bereiche sind eng miteinander verbunden, haben aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die Kreislaufwirtschaft ist gewissermaßen der übergeordnete strategische Ansatz. Ziel ist es, Ressourcen möglichst lange und hochwertig im Wirtschaftskreislauf zu halten.

Die Abfallwirtschaft konzentriert sich traditionell stärker auf Sammlung, Verwertung und Entsorgung von Abfällen. Moderne Kreislaufwirtschaft beginnt jedoch idealerweise bereits vor der Entstehung von Abfall – etwa beim Produktdesign oder der Materialauswahl.

Umweltmanagementsysteme helfen Unternehmen dabei, Umweltaspekte systematisch zu steuern und kontinuierlich zu verbessern. Energiemanagement wiederum fokussiert auf Energieeffizienz und Energieeinsatz. In der Praxis wachsen diese Themen immer stärker zusammen. Ein Unternehmen, das Materialeffizienz verbessert, reduziert oft gleichzeitig Energieverbrauch, Emissionen und Abfallmengen.

Ein Unternehmen entscheidet sich, dem bewussten Umgang mit Materialien und Ressourcen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Welche drei Schritte empfehlen Sie für einen gelungenen Start?

1. Transparenz schaffen

Der erste Schritt ist immer eine ehrliche Bestandsaufnahme:

  • Welche Materialien werden eingesetzt?
  • Wo entstehen Verluste oder Abfälle?
  • Welche Stoffströme verursachen hohe Kosten?
  • Welche gesetzlichen Anforderungen bestehen bereits oder kommen künftig?

Viele Unternehmen unterschätzen, wie groß das Optimierungspotenzial allein durch bessere Datentransparenz ist.

2. Kreislaufpotenziale identifizieren

Im zweiten Schritt sollte geprüft werden:

  • Welche Materialien können reduziert, wiederverwendet oder recycelt werden?
  • Wie lassen sich Produkte langlebiger oder reparierbarer gestalten?
  • Gibt es Möglichkeiten für Rücknahme-, Mehrweg- oder Refurbishment-Modelle?

Hier empfiehlt sich ein interdisziplinärer Ansatz zwischen Einkauf, Technik, Produktion, Nachhaltigkeit und Compliance.

3. Kreislaufwirtschaft strategisch verankern

Kreislaufwirtschaft funktioniert langfristig nur dann erfolgreich, wenn sie Teil der Unternehmensstrategie wird. Dazu gehören:

  • klare Verantwortlichkeiten,
  • messbare Ziele,
  • Integration in Compliance- und Managementsysteme,
  • Schulungen und Sensibilisierung,
  • Einbindung von Lieferanten und Kunden.

Wichtig ist dabei: Man muss nicht sofort das gesamte Geschäftsmodell verändern. Entscheidend ist, überhaupt zu beginnen und schrittweise Erfahrung aufzubauen.

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