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Schweißen extrem: Wenn die Temperatur zur Prüfung wird.

Created by TÜV AUSTRIA Akademie |

TÜV AUSTRIA zeigte beim Tag der Schweiß- & Prüftechnik, wie sich Schweißen bei -40 bis +40 Grad anfühlt – und warum extreme Temperaturen die Werkstoffeigenschaften verändern.

Schweißen ist ein komplexer Prozess, der Präzision und Erfahrung erfordert – aber selten denkt man daran, wie sehr Temperaturen diesen Prozess herausfordern können. Beim Tag der Schweiß- & Prüftechnik der TÜV AUSTRIA Akademie führte der Vortrag „Schweißen unter Extrembedingungen“ das Publikum genau dorthin, wo Technik, Mensch und Material an ihre Grenzen gehen: in die Umweltsimulationskammern des TÜV AUSTRIA.

Wer glauben möchte, dass Schweißen immer gleich abläuft, hat noch nie beobachtet, wie der Lichtbogen -40 °C kalten Stahl schmelzen kann oder wie eine Schweißmaske bei +40 °C zur persönlichen Sauna mutiert. Die Live-Schaltung in die Klimakammern zeigte eindrucksvoll, wie Werkstoffe reagieren, wenn das Thermometer verrückt spielt – und welche Erkenntnisse sich aus Schweißnähten gewinnen lassen, die unter diesen Extrembedingungen entstanden sind.

Präzision unter Frost und Hitze

Der Vortrag verdeutlichte, wie aufwendig die Vorbereitung ist, um Vergleichsschweißungen aussagekräftig zu machen. Ob manuell oder mit dem modernen Velo-Schweißverfahren von Fronius – konstante Parameter sind entscheidend: gleichbleibende Schweißgeschwindigkeit, stabiler CTWD (Kontaktrohr Werkstückabstand), identische Lichtbogenlänge.

Aber was passiert, wenn die notwendigen Umgebungsbedingungen nicht stimmen?

  • weggeblasenes Schutzgas,
  • Kondenswasser im Brennerschlauchpaket,
  • fehlerhafte Nähte, sichtbar durch die visuelle Prüfung, Magnetpulverprüfung und Computertomographie (iCT).

Nach Fehlerkorrektur und Wiederaufnahme des Versuchs wurden sämtliche Nähte professionell geprüft und dokumentiert.

Was sich im Inneren abspielt

Die zerstörenden und zerstörungsfreien Prüfungen zeigten deutlich: Temperatur verändert die Werkstoffeigenschaften.

Bei niedrigen Temperaturen:

  • höhere Härtewerte,
  • höherer Martensitanteil (ein sehr harter Gefügebestandteil),
  • geringere Zähigkeit.

Bei hohen Temperaturen:

  • höhere Zähigkeit,
  • geringere Härte,
  • langsamere Abkühlzeiten (t8/5-Wert steigt, also jene Zeit, in der der Werkstoff von 800 auf 500 °C abkühlt – entscheidend für die Gefügeausbildung).

Die Mikroskopaufnahmen machten sichtbar, wie Ferrit, Perlit, Bainit oder Martensit in unterschiedlicher Ausprägung entstehen – je nach Temperaturbedingungen.

Schweißen im Klimastress
In der Klimakammer des TÜV AUSTRIA wurde klar: Temperaturen sind nicht nur ein technischer Parameter – sie sind ein körperliches Erlebnis.

Bei -40 °C wirkt die Kälte wie ein stiller Gegenspieler. Jeder Funke erscheint heller, jeder Handgriff steifer. Die Gedanken sind schneller eingefroren als manche Materialien.
Bei +40 °C wiederum zieht sich die Hitze wie ein schwerer Mantel über den Körper, die Schweißmaske wird zur Sauna.

Die Vortragenden – Martin Willinger (Fronius), Michael Jagschitz und Andreas Polt (TÜV AUSTRIA) – nahmen das Publikum mit auf eine Erfahrungsreise, die zeigte: Wer hier schweißt, ist nicht nur Handwerker, sondern auch ein kleines bisschen Überlebenskünstler.

Über den Tag der Schweiß- & Prüftechnik
Der TÜV AUSTRIA Tag der Schweiß- & Prüftechnik ist einer der wichtigsten Branchentreffs für Expert:innen aus Werkstoff‑, Schweiß‑ und Prüftechnik. Er bietet gleichermaßen Weiterbildung, Praxisnähe und Vernetzung. Neben dem Highlight-Vortrag „Schweißen unter Extrembedingungen“ erwartete die Teilnehmenden ein vielseitiges Programm mit Themen wie:

  • Die neue Bauprodukte-Verordnung
  • Der Entwurf der EN ISO 9606
  • Health & Safety in der Schweißtechnik
  • Hartlöten und typische Lötfehler
  • Künstliche Intelligenz in der Schweißtechnik
  • AI 4 NDT – KI in der zerstörungsfreien Prüfung
  • Bauteilprüfungen im Seilbahnbau
  • Innovative Pipeline Weld Inspection (engl.)
  • Schäden an Druckgeräten – ein Inspektor berichtet
  • Reparatur einer Rohöldestillationskolonne
  • Abendveranstaltung mit Keynote: Engineering on the EDGE

Der Expertentag fand von 29. bis 30. Jänner 2026 im Schloss Seggau statt und richtete sich an Fachleute aus Industrie, Anlagenbau, Prüfwesen und Technik – ebenso wie an Interessierte, die die Zukunft der Schweißtechnik live erleben möchten.

Bilder: (c) Marko Kovic

Contact

P: +43 (0)5 0454-8000
E: academy@tuv.at

TÜV AUSTRIA-Platz 1
2345 Brunn am Gebirge

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