Schädlingsbefall? Aber bitte nach Norm!

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Merkwürdiges Gewusel am Parkplatz. Spannung und Aufregung liegen in der Luft. Ein wenig erinnert es an damals, anno 19xx, als nach der Führerscheinprüfung alle auf das Ergebnis warteten.In diesem Fall jedoch heißt das Tagesmotto: „Herzlich willkommen im Zertifizierungsverfahren!“

Auditor, Gutachter und das verantwortliche Kernteam sind gerade unterwegs, um die Begebenheiten und Situationen in der Praxis zu prüfen. Vor Ort, am betriebseigenen Gelände, wissen alle: Ihre Arbeit ist qualitativ hochwertig. Schließlich macht man das schon lange und ist ein ernstzunehmender Player am Markt.

Nun aber, im Endspurt des Zertifizierungsverfahrens, schlagen die Herzen sichtlich schneller und höher. Denn DAS macht man NICHT alle Tage. Im Zentrum steht die eine Frage: “Bekommen WIR das Zertifikat?“

Der Warnruf erklingt: „Sie kommen zurück!“
Während sich Auditor und Gutachter zum Gespräch zurück ziehen, möchte jede:r wissen: „Wie war´s?“

Ich, als Beobachterin, denke mir: Wie auch immer es ausgeht, hier wurde definitiv etwas richtig gemacht, wenn jede:r im Team die Bedeutung eines Prozesses und Zertifizierungsverfahrens für das eigene Tun so sehr anerkennt und lebt.

Eines vorab: Das Zertifizierungsverfahren war erfolgreich. Peter Mies Schädlingsbekämpfung, ein KMU aus dem südlichen Niederösterreich, zählt ab sofort zur erlesenen Gruppe der zertifizierten Unternehmen nach EN 16636.

Ein KMU lässt sich zertifizieren. Ein Zeichen der Zeit? Wir wollen es wissen und haben daher zum Interview gebeten. Unser Gespräch mit dem Geschäftsführer MMst. Peter Mies, dem Leiter des Bereichs Schädlingsbekämpfung Thomas Seidel und – last but not least – dem Auditor, DI (FH) Gerhard Eichinger von TÜV AUSTRIA.

Ein KMU entschließt sich zu einem Zertifizierungsverfahren. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Peter Mies:Wir haben die Vor- und Nachteile ausführlich abgewogen. Qualität, Kundenorientierung und Transparenz sind für uns immer schon unerlässliche Kriterien. Um zu zeigen, dass wir nicht nur drüber reden, sondern dies auch tatsächlich und mit Überzeugung leben, haben wir uns dazu entschieden, eine Zertifizierung anzustreben. Hier kam eines zum anderen. Am Weg zur EN 16636 Zertifizierung haben wir quasi einen ersten Meilenstein erfüllt mit der Zertifizierung ISO 9001, also der Norm für Qualitätsmanagementsysteme.

Mit welcher Strategie bzw. welchen Methoden konnten Sie das Zertifizierungsverfahren im Betrieb so erfolgreich realisieren?

Peter Mies:Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter wusste von Beginn an Bescheid. Es war uns wichtig, eine transparente Gestaltung zu gewährleisten und dass von Stunde 0 an alle zusammenarbeiten. 

Gibt es spezielle Learnings oder Entwicklungspunkte, die Sie und Ihr Team aus dem Prozess mitnehmen?

Peter Mies:Grundsätzlich finde ich, dass wir alle viel gelernt haben. Durch Norm- und Rechtsschulungen, die wir mit Hilfe der TÜV AUSTRIA Akademie umgesetzt haben, konnten wir sicherstellen, dass das gesamte Team über Qualitätsmanagement und Schädlingsbekämpfung ein gewisses Level hinsichtlich Fachwissen hat und, was uns sehr wichtig ist, auch hinsichtlich Bewusstsein. Fachverantwortliche Personen wurden natürlich tiefergehend geschult. Interessant waren auch die Aha-Effekte, wenn man erkennt, wie etwas besser umgesetzt werden kann oder Neues eingebracht werden kann. Viele Dinge haben wir bisher wie selbstverständlich gemacht, ohne uns dessen bewusst zu sein. 
Die Bedeutung einer klaren Kommunikation im Team und nach außen ist uns jedenfalls vor Augen geführt worden. Wir haben gelernt, Rollen und Aufgabenbereiche und auch Nicht-Aufgabenbereiche noch klarer zu kommunizieren.

Thomas Seidel:Das Compliancebewusstsein durchdringt das ganze Unternehmen jetzt noch stärker. Unsere Dokumentation ist jetzt noch strukturierter und noch genauer. Dass das Team stark im Zusammenhalt ist, wussten wir immer schon. Wie stark und besonders dieses Team ist,  haben wir im Prozess so richtig bemerkt. Schön zu sehen war, dass Zuverlässigkeit, sauberes Arbeiten und kurze Reaktionszeiten von jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin bewusst gelebt werden. Gerade unser Fachgebiet Schädlingsbekämpfung erfordert eine gewisse Vertrauensbasis. Vertrauen, Diskretion und vor allem schnelles Agieren zeichnet uns am Markt aus. Im Zentrum unserer Arbeit stehen selbst bei der Schädlingsbekämpfung Umwelt und Menschen. Jeder Auftrag ist zugleich auch ein Stück Emotionsarbeit. Denn ist ein Schädlingsbefall nahe dem oder gar im Kinderzimmer oder in der Betriebskantine…

So ein Schädlingsbefall ist für viele vielleicht auch eine „peinliche“ Sache, auch wenn man weiß, dass es einfach passieren kann. Welchen Tipp haben Sie?

Thomas Seidel: Keinesfalls zögern, sondern einfach melden bzw. bei uns anfragen.

Eine Frage an den Auditor. Herr Eichinger, Sie verfügen über langjährige Erfahrung in Qualitäts-, Umwelt- und Energieaudits. Der Bereich Schädlingsbekämpfung ist jedoch aufgrund der Veränderungen in unserer Ökologie eher ein „Neuling“.  Wie schätzen Sie dieses Fachgebiet ein?

Gerhard Eichinger:Grundsätzlich machen Kunden hier vermehrt Druck. Zudem gibt es Monitoringpflichten aus dem Rechtsbereich heraus. Für private Haushalte sind diese meist mit „im Anlassfall“ dokumentiert. Im gewerblichen Bereich, insbesondere Tourismus, Gastro, etc. müssen alle was tun. Hier sind die Vorgaben um einiges strikter. 
Das Grundrüstzeug zur EN 16636 ist auch in der ISO 9001 enthalten. In der EN 16636 geht der Prozess der Schädlingsbekämpfung einfach fachspezifisch noch mehr in die Tiefe, die ISO 9001 deckt die Grundzüge ab. Jedenfalls ist die Nachweis- und Dokumentationspflicht gemäß EN 16636 noch stärker gegeben.

Apropos, zum Thema: Bedeutende Veränderungen in Ökologie, Klima und Gesellschaft begünstigen laut WHO in den letzten Jahrzehnten die Ausbreitung von Schädlingen, insbesondere im urbanen Raum. Dies kann für Mensch, Umwelt und Infrastruktur zu enormen Beeinträchtigungen bzw. Gefahren werden.
Diese Entwicklung führte zur neuen Dienstleistung „Schädlingsbekämpfungsgewerbe“. An der TÜV AUSTRIA Akademie erfahren Sie, welche Anforderungen und Kompetenzen rechtlich wie normativ in der Schädlingsbekämpfung gefordert sind. Wichtiges Knowhow für Auftragnehmer:innen UND Auftraggeber:innen:
 

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