Das war das Kraftwerkssymposium

Im September war Energieerzeugung im Wandel der Zeit der Programmschwerpunkt, denn neue Technologien bringen neue Herausforderungen.

Sabine Redlich

Saalfoto

Martin Schwarz, TÜV AUSTRIA

David Suchanek, Niederhuber & Partner Rechtsanwälte GmbH

Saal - Vormittag

Pausenfoyer

Referenten

Datenbrille im Praxistest

Rudolf Gutscher, EVN AG

Fritz Miedler, docu tools GmbH

Andreas Kloiber, TÜV AUSTRIA Services GmbH

Manuel Siebenhandl und Sabrina Semper, TÜV AUSTRIA Trust IT

Manuel Siebenhandl, TÜV AUSTRIA Trust IT

Sabrina Semper, TÜV AUSTRIA Trust IT

Mittagessen

Diskussion in der Pause

Referenten

Infostand Akademie

Stefan Pichl, Salzburg AG

Katharina Bauer, Energie-Control Austria

Versuchsanordnung, Datenbrille im Praxistest

Messanlage, Datenbrille im Praxistest

Datenbrille - Publikumstest

Viele Fragen, viele Antworten

Infostand

Infostand

Infostand TÜV AUSTRIA Fachverlag

Infostand Bau- und Gebäudetechnik

Pausenfoyer

Reinhard Thurmaier, Viessmann GmbH

Franz Tüchler, Siemens AG

Das Team der TÜV AUSTRIA Akademie, Lisa Schweinberger, Sabine Redlich, Martin Schwarz, Verena Weinbereger

Was die Branche in Zukunft erwartet, klärte das TÜV AUSTRIA Kraftwerkssymposium am 12.9. in Brunn am Gebirge.

Es geht noch was!
Der Dampfkessel ist das Herzstück einer Anlage. Wie man aus einem sehr guten Kessel eine noch bessere Dampfkesselanlage macht, erfuhren die Teilnehmer des Kraftwerkssymposiums von einem Spezialisten für Dampf- und Industriekesselbau. Besonderes Augenmerk sollte auf die richtige Wasseraufbereitung in Abhängigkeit von der Qualität des vorhandenen Rohwassers gelegt werden. In neun von zehn Schadensfällen bei Kesselanlagen liegt die Schuld bei schlecht aufbereitetem Wasser. Je besser die Aufbereitung, desto geringer sind die erforderliche Absalzung und Abschlammung im Kessel und die damit verbundenen Energieverluste. Das Effizienzpotential von Kesselanlagen lässt sich aber auch durch eine Reihe von weiteren Maßnahmen erhöhen. Der Experte riet unter anderem, die Verwendung eines geschlossenen Kondensatsystems in Erwägung zu ziehen und die Brenneranlage so auszuwählen, dass sie bestmöglich auf die Kesselgröße abgestimmt ist. Der Kessel selbst sollte nicht zu groß dimensioniert sein. Dies würde zu einem „Stop and Go-Betrieb“ und in Folge zu erhöhten Kosten führen.

Der Blick voraus
Energieunternehmen stehen vor enormen Herausforderungen: Sie müssen auf steigenden Kostendruck, komplexe Betriebszustände und reduzierten Spezialisteneinsatz reagieren. „Predictive Maintenance“ (vorausschauende Instandhaltung) ist eine der greifbarsten Anwendungen der Industrie 4.0. Die Siemens AG hat eine Suite modularer Softwareapplikationen für Kraftwerksbetreiber entwickelt, die sich in jede beliebige bestehende Erzeugungsinfrastruktur integrieren lassen. Risiken können besser gehandhabt und Anlagen kosten- und erlösoptimiert eingesetzt werden. Die Applikation „Asset Diagnostics“ (Anlagendiagnose) liefert Informationen über den Anlagenzustand. Der sogenannte „Anamoly Monitor“ bedient sich neuronaler Netzwerke zur automatisierten Kontrolle von Abweichungen. Diese werden frühzeitig erkannt – vorausschauende Wartung wird möglich. Der Experte in Sachen Kraftwerksautomatisierung erklärte den Tagungsbesuchern abschließend den Unterschied zwischen IT-Security und OT-Security und empfahl, das Thema „Cybersecurity“ ernst zu nehmen. Auch Operative Technologien sollten vor Hackerangriffen gut geschützt werden!

Besser sehen mit der Datenbrille
Wie können Arbeitsaufträge digitalisiert und Anlagenstörungen effizient behoben werden? Dies wurde in einem Showcase am Beispiel Betriebsaufschreibung „live“ demonstriert – und gleichzeitig der Einsatz der Datenbrille auf die Probe gestellt. Tritt bei einer Anlage ein Fehler auf (Beispiel Temperaturmessung), wird beim zuständigen Mitarbeiter für Instandhaltung im System ein Arbeitsauftrag hinterlegt. Auf dem Tablet sieht der Mitarbeiter, wo der Fehler in der Anlage aufgetreten ist und welche Aufgaben zu erledigen sind. Über eine Remote-Verbindung erhält er Anweisungen eines Kollegen, die in der Datenbrille integrierte Kamera überträgt dabei die Bilder auf den Desktop des unterstützenden Kollegen, dessen Hilfestellungen wiederum in die Datenbrille eingeblendet werden. Der Mitarbeiter führt die Anweisungen aus und prüft, ob die Störung behoben werden kann. Das Ergebnis trägt er sodann auf seinem Tablet ein. Die Live-Vorführung hat gezeigt, dass Betriebsführung „smart“ eine Reihe von Vorteilen bringt: Wissen wird gespeichert und an andere weitergegeben, das Know-How-Management verbessert. Fazit: Der Einsatz moderner, vernetzter Technologien verbessert das Mängel- und Instandhaltungsmanagement.

Alles getrackt?
Um thermische Energieerzeugungsanlagen instand zu halten, bedarf es der kontinuierlichen Erfassung, Auswertung und Anwendung einer Unmenge an Daten. Der Dokumentationsprofi docu tools hat eine Softwarelösung entwickelt, die Daten für Mitarbeiter jederzeit griffbereit hält. Informationen (z. B. Mangeldokumentation) werden über sogenannte Pins abgelegt und mit Projekten und Plänen verknüpft. Das Tool ermöglicht vernetztes Arbeiten im Team, Offline-Synchronisation und die Ausgabe von Berichten auf Word- oder Excelbasis. Pin-Kategorien (z. B. Brandschutz) können individuell eingestellt werden, die Pin-Details geben Auskunft über Status, Aufgabenverteilung und Prioritäten. Zu den Vorteilen der Softwarelösung zählen nicht nur die Übersicht über alle fälligen Aufgaben (z. B. Austausch von Sicherungen), sondern auch die vielfältigen Filtermöglichkeiten. Wo die meisten Störmeldungen auftreten oder wer bis wann welche Mängel zu beheben hat, ist leicht abrufbar. Auch diese Technologie trägt der prädiktiven Instandhaltung voll Rechnung – sie kann Kraftwerksbetreibern, aber auch Facility Managern, teure Reparaturarbeiten ersparen.
 
Alles cybersicher?
Cyberangriffe finden 365 Tage im Jahr statt und können jeden treffen. In Österreich gerieten bereits 61 % der Unternehmen ins Visier von Hackern. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann man zum Opfer wird. Um die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) gegenüber Cyberangriffen zu erhöhen, wurde die EU-Richtlinie für Netz- und Informationssicherheit (NIS) erlassen, die in Österreich durch das NIS-Gesetz umgesetzt wurde. Sie ist seit 28.12.2018 in Kraft, sieht eine Übergangsfrist von einem Jahr vor und verpflichtet sieben Sektoren: Dazu zählen u. a. der Energiesektor (Erdöl, Erdgas, Elektrizität), der Bankensektor und der Gesundheitssektor als Betreiber wesentlicher Dienste (BwD). Für diese gelten besondere Sicherheitsvorkehrungen und Meldepflichten. Ob ein Energieunternehmen ein „BwD“ ist, hängt wiederum von bestimmen Kriterien ab. Betreiber von Stromübertragungsnetzen fallen beispielsweise darunter. Vorfälle müssen jedenfalls dokumentiert und gemeldet werden. Die Erfüllung der Anforderungen sind dem BMI mindestens alle drei Jahre nachzuweisen (ab Zustellung des Bescheides). Wie einfach Systeme gehackt werden können, wenn Sicherheitsvorkehrungen fehlen, zeigten die Experten anhand mehrerer Beispiele. Das kriminelle Potpourri reicht von Phishing über Malware bis hin zu Social Engineering. ICS Komponenten (industrielle Steuerungssystemkomponenten) sind via Internet leicht erreichbar und manipulierbar. Der Aufruf der Cybersecurity-Expertin: „Jeder Mitarbeiter sollte eine Human Firewall sein.“ Dann wird die „Turkey Illusion“ nicht zur Realität.

Sicher versorgt
Die Bedingungen für die Energieversorgung haben sich geändert. Der Energiemarkt ist kein Monopol mehr, in dem die Erzeugung bis hin zum Verbrauch in einer Hand lag, sondern Markplatz für viele Akteure. So treten auf der Erzeuger- und Verbraucherseite neue Spieler auf, der Stromhandel ist grenzüberschreitend und neue Technologien beeinflussen den Kraftwerkseinsatz und deren Sicherheit. All dies erschwert Verbrauchsprognosen und fordert einen erhöhten Bedarf an Engpassmanagement. Wie sieht der Weg in die Zukunft zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit aus? Die Fachfrau für Energietechnik bei der E-Control setzt auf den verstärkten Netzausbau und neue Speichertechnologien. Übergangslösungen wie beispielsweise die Zuschaltung von Reservekraftwerken oder „Redispatch“, bei dem Kraftwerke zur Einspeisung gezwungen werden, um kurzfristig erhöhten Energiebedarf abzudecken, sollten nicht zur Dauerlösung werden. Was tun, wenn doch was passiert? Kommt es zum Krisenfall (noch kein Blackout), wird das Marktsystem in ein Energielenkungssystem übergeführt, für das klar geregelt ist, welche Maßnahmen zu ergreifen sind (Sparaufrufe, Kontingentierungen, Flächenabschaltungen etc.)  

Raus aus der Stolperfalle Recht
Die Komplexität der zu lösenden Aufgaben steigt auch mit der wachsenden Anzahl der Gesetze auf EU- und nationaler Ebene und stellt Betreiber und Behörden vor neue Herausforderungen. Nützliche Tipps zur Vermeidung von Stolperfallen erhielt das Fachpublikum von einem Rechtsexperten. Bei Anlagengenehmigungsverfahren spielen viele Parteien eine Rolle. Auch Nachbarn gehören dazu und haben bestimmte Rechte: Schutzanspruch (z. B. auf Vermeidung gesundheitsgefährdender oder unzumutbarer Emissionen), aber keinen Anspruch auf die Einhaltung des Stands der Technik oder die Vermeidung von zumutbaren Belästigungen. Thermische Kraftwerke mit hoher Brennstoffwärmeleistung sind UVP-pflichtig. Die Umweltverträglichkeitsprüfung lässt sich schwer abwenden, das UVP-Recht sollte daher vor dem Materienrecht abgeklärt werden. Ob die Anlage genehmigt wurde oder nicht, wird dem Genehmigungswerber mittels Feststellungsbescheid übermittelt. Der gute Rat des Anlagenrechtsexperten: „Den Bescheid genau lesen!“ Komplettiert wurde der Rechtsteil vom Vortrag über das rechtssichere Gebäude aus Sicht der ÖNORM B 1301, die Baunorm für Nicht-Wohngebäude (z. B. Kraftwerke). Sie gibt einen Überblick über alle Gewerke und unterstützt Objektverantwortliche und Hausverwalter, Gebäude bestandssicher zu machen. Wesentlich ist, dass die Norm zwar nicht zwingend anzuwenden ist, damit aber im Schadensfall die Abwehr von zivilrechtlichen und strafrechtlichen Folgen deutlich leichter ist Einen besonderen Programmpunkt der eintägigen Veranstaltung bildete außerdem die Besichtigung der mobilen „CSE-Übungsanlage“ (Confined Space Entry) für das sichere Arbeiten in engen Behältern.

Die Vortragenden: Fritz Miedler (docu tools GmbH), Rudolf Gutscher (EVN AG), David Suchanek (Niederhuber & Partner Rechtsanwälte GmbH), Andreas Kloiber (TÜV AUSTRIA Services GmbH), Manuel Siebenhandl (TÜV AUSTRIA Trust IT), Sabrina Semper (TÜV AUSTRIA Trust IT), Stefan Pichl (Salzburg AG), Katharina Bauer (Energie-Control Austria), Reinhard Thurmaier (Viessmann GmbH), Franz Tüchler (Siemens AG)

Kontakt

T: +43 (0)5 0454-8000
E: akademie@tuv.at

TÜV AUSTRIA-Platz 1
2345 Brunn am Gebirge

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